Rollenspiel

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WAS IST DEN ÜBERHAUPT EIN ROLLENSPIEL?

Jeder hat schon den einen oder anderen Abenteuerfilm gesehen. Die Spannung steigt ins Unermessliche, der strahlende Held kämpft sich wagemutig durch die Scharen seiner Feinde um zu dem liebreizenden Burgfräulein zu kommen. Doch irgendwie war die Rettung seltsamer Weise leicht, fast schon zu leicht. Der nichtsahnende Held bringt sein Fräulein vertrauensselig in sein Versteck, nicht ahnend, dass man ihn hat absichtlich davon kommen lassen, um endlich den Weg in sein Geheimversteck zu finden. Es kommt, was kommen muss. Der Bösewicht überfällt mit einer Übermacht das Geheimversteck und metzelt grausam alles nieder.

“Das hätte ich aber besser gemacht. Da hätte er drauf kommen müssen!” Sind das Ihre Gedanken?

Prima! Beweisen Sie es! In einem Rollenspiel sind Sie der Held und entscheiden, wie Sie gegen Schurken vorgehen wollen. Sie und Ihre getreuen Recken treten also an gegen die Mächte des Bösen und weil Sie nicht so dämlich sind, sich in eine Falle locken zu lassen – nebenbei bemerkt, selbst wenn, sind Sie der beste Schwertkämpfer der Welt und keine Übermacht könnte Sie besiegen – rotten Sie das Böse in wenigen Tagen aus und werden zum König gekrönt. Niemand kann es wagen, Sie herauszufordern! Punkt, Ende, Aus!

Ist das spannend? Wollen Sie einen Abenteuerfilm sehen, in dem der Held alles kann und immer gewinnt? Nein! Deshalb gibt es für Ihren Charakter – denn so heißt die Figur, die Sie als Spieler übernehmen – eine Beschreibung, in der festgehalten ist, was Ihr Charakter gut kann und was er schlecht kann, was er denkt und für was er einsteht.

Es ist die Aufgabe des Spielers seine Figur möglichst dieser Beschreibung entsprechend darzustellen. Bei einem Charakter, der laut Beschreibung feige ist, sollte das auch hin und wieder in Erscheinung treten. Wenn dieser Charakter beispielsweise zum Duell gefordert wird, wird er versuchen, um diese Forderung herum zu kommen, sei es durch eine Ausrede, ein Double oder schlicht und einfach Flucht.

Mit anderen Worten sind Sie ein Schauspieler, der eine Rolle übernehmen muss. Die Handlungen dieser Rolle sind jedoch anders als im Theater oder Film nicht bereits im Vorfeld in einem Drehbuch festgelegt, sondern bleiben der Entscheidung des Spielers überlassen. Als kleiner Leitfaden dient sein Charakterblatt, auf dem seine Stärken und Schwächen notiert sind. Der Spieler muss versuchen, die Handlungen des Charakters so zu steuern, dass sie auf seine Beschreibung passen.

Spielen Sie zum Beispiel Kanon, den Barbaren, werden Sie zweifelsohne sehr kräftig sein. Im Ausgleich dazu werden Sie aber auch einige Schwächen haben. Nehmen wir einfach mal an, Kanon sei dumm. Diese zwei Eigenschaften (dumm und stark) haben schon einige Konsequenzen, wenn wir darüber nachdenken, wie Kanon sich in manchen Situationen verhalten würde. Wenn Kanon einen Minotaur jagt, der sich in sein Labyrinth zurückzieht, dann wird Kanon ihm folgen und weil Kanon stark ist, wird er den Minotaur erschlagen. Echt stark! Dann stellt er fest, dass er in einem Labyrinth ist und er den Weg nach draußen nicht findet. Weil er dumm ist, hat er auch keine Markierung hinterlassen und muss im Labyrinth bleiben, wo er schließlich verhungert. Schade für Kanon!

Schauen wir uns kurz im Kontrast dazu Harald Töpfer, den jungen Zauberer an. Der kleine Harald ist zwar schwach, aber dafür extrem clever. Auch er ist auf der Jagd nach dem Minotaur, aber Harald ist so schlau, am Eingang zum Labyrinth einen Faden zu befestigen, damit er nachher den Weg hinaus wieder findet. Echt clever! Leider ist Harald schwach und wird vom Minotaur erschlagen. Schade für Harald!

Aber wenn Kanon und Harald gemeinsam durch die Lande ziehen, kann Harald Kanon vor Dummheiten bewahren und Kanon sorgt dafür, dass Harald nicht erschlagen wird. Und genau das ist ein weiterer wichtiger Punkt im Rollenspiel. Anders als in den meisten anderen Gesellschaftsspielen sind die Spieler im Rollenspiel keine Gegner, sondern stehen auf der selben Seite. Sie wollen ein Abenteuer bestehen! Die Spieler übernehmen jeweils einen Charakter mit seinen Stärken und Schwächen. Sie bestehen ihre Abenteuer gemeinsam und indem sie kooperativ vorgehen, so dass jeder mit seinen Stärken die Schwächen der anderen kompensieren kann.

Damit es richtig Spaß macht, sollten die Charaktere natürlich unterschiedliche Eigenschaften haben, denn sonst kommen sich die Spieler schnell ins Gehege oder haben zu viele Schwächen.

Aber einen Punkt haben wir momentan noch komplett unter den Teppich gekehrt: Das Abenteuer! Woher kommt das Abenteuer? Wer macht denn die ganzen Gefahren?

Wenn die Spieler die Helden sind, dann tauchen in einem guten Abenteuer ja auch noch die Schwachen und Schutzlosen, die Gemeinen und Ruchlosen und die Brutalen und Willenlosen auf. Einer der Mitspieler hat eigentlich keinen richtigen Charakter und dennoch die meisten Charaktere im Spiel. Wie der Regisseur im Theater den Lichttechnikern Anweisung gibt, das Licht abzudunkeln so erzählt dieser Mitspieler – der sogenannte Spielleiter – den anderen: “Es wird langsam dunkel! Dicke schwarze Wolken schieben sich vor die Sonne und das charakteristische Knistern eines Gewitters liegt in der Luft.”. Er beschreibt seinen Spielern das Szenario, das Wetter, die Kulisse und alle anderen Personen und Lebewesen. Der Spielleiter übernimmt die Rolle des Händlers, der den Spielern Proviant verkauft, aber auch die des Diebes, der versucht den Spielern den Proviant zu stehlen. Obwohl der Spielleiter natürlich zu dem Zeitpunkt, wo er den Händler spielt, schon weiß, dass der Dieb versuchen wird, die Spieler zu bestehlen, der Händler selbst weiß es nicht. Außerdem lässt er die Umwelt auf die Handlungen der Spielercharaktere reagieren.

Für diese Abenteuer gibt es die verschiedensten Hintergründe. Sie können Ihre Abenteuer in der Welt von 1001 Nacht erleben oder im finsteren Mittelalter, im Weltraum, in einer unbekannten, fremden Welt, auf dem Meeresboden oder wo immer auch Ihre Fantasie Sie hinzubringen vermag. Vielleicht spielen Sie ja noch nicht einmal Menschen, sondern Vampire, Engel, Spielzeugautos oder Androiden.