Sherlock Holmes – Der silberne Ohrring (Retro)

sharlock holmes

Ein Schuss hallt durch die Empfangshalle und der Redner Sir Melvyn Bromsby stürzt wie von einer Kugel getroffen nieder. Anfangs als ein stimmungsvoller Empfang anlässlich des 18. Geurtstags seiner Tochter gedacht, beginnt das Fest mit einer Tragödie. Zu allem Übel wird die attraktive Tochter des reichen Geschäftsmannes dieser Tat beschuldigt und alles spricht augenscheinlich gegen sie. Glücklicherweise sind rein zufällig ein gewisser Herr, der auf den einprägsamen Namen Sherlock Holmes hört, mit seinem Lebensabschnittsgefährten Dr. Watson Zeuge dieses Vorfalls und natürlich sofort galant bereit im Auftrag der Beschuldigten, die den Besitz erben würde, den Fall zu untersuchen und möglichst aufzuklären.

Gestatten, mein Name ist Holmes

Wer kennt nicht die von Sir Arthur Conan Doyle erfundene Romanfigur Sherlock Holmes? Den Gottvater aller Detektive und Meister der detuktiven Ermittlungsmethode, die ausschließlich auf detailgenauer Beobachtung und nüchterner Schlussfolgerung beruht.
Als Inkarnation des Detektives werden vom Spieler, der abwechselnd in die Rolle Sherlocks und seines treuen Begleiters Dr. Watson schlüpft, diese Fähigkeiten gefordert. Denn der geschilderte Vorfall ist nur der Anfang einer mysteriösen Verkettung von Vorfällen, denen das Duo beim Lösen des Falles begegnet und vom Spieler zur erfolgreichen Klärung des Mordes rationales Denken verlangt.

Das Geheimnis des silbernen Ohrrings entführt den Spieler in das viktorianische London am Ende des 19. Jahrhunderts. Sofort fühlt man sich von der Atmosphäre gefangen und durchsucht sogleich den Tatort zu zeitgenössischer Musik nach Hinweisen oder befragt Zeugen. Diese Tätigkeiten bilden den Hauptbestandteil des Spieles.

Im Sinne der Aufklärung

ShNachdem die Zeugen dem Detektiv die Einzelheiten ihres Denkvermögens geschildert haben, beginnt die Suche nach Hinweisen, die sich mitunter als recht schwierig erweist. Denn der Spieler braucht wahre Argusaugen, um die vielen wichtigen winzig kleinen Gegenstände, die sich überall befinden können, zu finden. Hilfreich ist hierbei, dass die Figur den Ort nicht eher verlässt, bis wirklich alles wichtig entscheidende gefunden wurde. Dies könnte man als weibliche Initution bezeichnen, wobei jetzt nicht näher auf das tiefgehende Verhältnis der beiden Freunde eingegangen wird.

Gefundende Gegenstände wie Zettel, Briefe oder Fotos werden in das Logbuch in der jeweiligen Handschrift des Verfassers eingetragen und dies lädt zum öfteren Nachschauen ein. Sowieso ist das Logbuch ein sehr praktischer Bestandteil des Abenteuers und ist bei der Aufklärung des Falles unentbehrlich. Denn es werden außerdem alle (!) Gespräche festgehalten, sowie wichtige Schlussfolgerungen als Notizen automatisch gespeichert. Mit dieser Fülle an Informationen ist der Spieler in der Lage, einige zunächst kurios erscheinende Rätsel oder Vorfälle mit einem kühlen Kopf und einem geschärften Verstand erklären zu können.

Neben dem Finden von den gut versteckten Hinweisen gilt es es manchmal kleinere Kombinatorikaufgaben zu lösen, die nicht immer ganz einfach sind und eine längere Zeit zur Auflösung benötigen. Jedoch wäre eine größere Anzahl dieser Logikaufgaben wünschenswert gewesen, da diese eine Abwechslung zum eher tristen Suchen von Gegenständen darstellt. Ein anderer Versuch der Entwickler, das Spiel abwechslungsreich zu gestalten, ist nicht ganz gelungen. Zweimal gilt es in dem Abenteuer, gewisse “Action-Aufgaben” zu lösen, die nicht jedem Adventure-Spieler gefallen dürften. So darf man an einer Stelle von einem Nachtwächter nicht gesehen werden oder einmal unter Zeitdruck handeln.

Abgerechnet wird zum Schluss

Am Ende eines Ermittlungstages werden die gefundenen Hinweise gesammelt und analysiert. In einem Quiz werden dem Spieler Fragen gestellt, die er richtig beantworten und anhand der Eintragungen im vorbildlichen Logbuch belegen muss. Somit wird man zum Nachdenken über die Geschehnisse gezwungen, was auch nötig ist, um die Übersicht über den sich immer weiter ausweitenden Fall zu behalten.
Belohnt für die ungewohnte Denkarbeit wird der Spieler oftmals mit sehr gelungenen Zwischensequenzen, die unterhaltsam sind, den Fall vorantreiben und an der hohen Intelligenz Holmes, der sich häufig dank seines rationalen Denkens bei seinem verdutzten Gegenüber profiliert, keinen Zweifel lassen.

London in seiner ganzen Pracht

Herausragend in jeder Hinsicht ist die Grafik zu beurteilen, die das viktorianische London mit all seinen Eigenarten und Modeerscheinungen detailiert wie nie zuvor in einem Adventure darstellt. Man fühlt sich ganz in die damalige Zeit versetzt. Abstriche in der Darstellung müssen jedoch wegen der etwas steifen Animationen und Gesichtszüge der einzelnen Protagonisten gemacht werden, die vor allem bei Nahaufnamen ersichtlich werden, was die beeindruckende Leistung der Grafiker aber in keinster Weise lindern soll.

Sherlock Holmes – Der silberne Ohrring – GAMEPLAY

Passend zur Grafik tragen die Musik und die Sprachausgabe ebenfalls zur dichten Atmosphäre bei. Das Ohr wird mit klassischer Musik von Felix Mendelssohn und Niccolo Paganini verwöhnt, die vielleicht nicht jedem Spieler gefallen dürften, jedoch einmal gehört aus dem Spiel nicht mehr wegzudenken sind. Die Sprachausgabe kann auch außer kleinen Ausnahmen mit bekannteren Sprechern überzeugen. Aber diese Qualität ist man vom deutschen Publisher dtp sowieso gewohnt und Sherlock Holmes und das Geheimnis des silbernen Ohrrings kann sich in die Reihe hervorrangender Adventures des Publishers einreihen, der anscheinend im Alleingang das Genre wiederbeleben will.

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